Dein Mindset - wie Niederlagen weniger weh tun - Rotstiftdenken abschaffen

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  • Hallo zusammen, (tl;dr scrollt bis zur roten Überschrift)


    wir alle haben sie schon erlebt - die einen mehr, die anderen weniger - die Niederlagen.


    Es ist eine Faszination an sich, dass man nach grob überschlagen 25 Minuten seinen Controller aus der Hand legt und plötzlich alles um sich herum zusammenbricht... oder auch nicht.




    Denn es geht bei Niederlagen um das WIE und nicht um das OB.


    Was heißt das?


    WIE gehe ich damit um?
    OB ich verloren habe? Ja und das kannst du nicht mehr rückgängig machen, daher kann es nicht mehr um das OB gehen.


    Niederlagen sind ein innerer Konflikt, das bedeutet, dass du körperlich noch so gut drauf sein kannst, es aber nichts bringt, weil es jetzt um deine Psyche geht - genauer gesagt dein Mindset.




    Es ist wahrscheinlich, dass jeder von uns jemanden kennt, der besonders aufbrausend bei einer Niederlager reagiert und widerum jemand anderen, der es mit einem Schulterzucken auffasst (zumindest optisch).


    Das liegt daran, dass die Mindsets der jeweiligen Spieler sich unterscheiden.




    Wie beim spielerischen Können gibt es eine weitere Disziplin, vielleicht sogar die Königsdisziplin, die gesundheitlich betrachtet sogar wichtiger als das Können selbst ist: das Mindset.


    Wenn dir Niederlagen übertrieben ausgedrückt den Weltuntergang bedeuten, ist das schädlich für deinen Körper -> Bauchkrämpfe, Kopfschmerzen, Depression und was unser Körper noch so für uns bereithält um uns zu kommunizieren, dass wir was ändern sollten.




    "Ok ok ok Siggi, habs kapiert, also was jetzt?"


    Nicht so hastig, erst muss ich noch erwähnen, welche Faktoren u. a. das Mindset meiner Ansicht nach beeinflussen:


    -dein spielerisches Können
    -deine Erwartungshaltungen an dich und andere
    -deine Abhängigkeit von Lob und Anerkennung
    -dein Trainingsaufwand, den du für dieses Turnier aufgebracht hast
    -deine Placingziele
    -die Ehrlichkeit zu dir selbst
    -auf was legst du Wert?


    Spielerisches Können
    Pool Drowner oder Pool Owner? Bist du der King in deinem 800 Mann Dorf oder bist du auf Turnieren stets mindestens oberes Mittelfeld?


    Erwartungshaltungen
    Bist du der Ansicht du drüftest andere jetzt nicht enttäuschen? Erwartet man von dir gewisse Results? Wie kommst du zu der Annahme?
    Erwartest du auch vieles von anderen? Trauerst du deren Results wirklich so lange nach wie sie es auch angeblich bei dir täten?


    Hast du in Vergangenheit gut geplaced und willst das beibehalten?
    Bist du in Pools immer untergegangen und willst es jetzt besser machen?


    Abhängigkeit von Lob und Anerkeunng
    Spielst du für dich oder für andere? Klar, wir Menschen sind Herdentiere und Lob ist wichtig. Allerdings kann man unterscheiden, ob man wenig oder viel Lob braucht, um glücklich zu sein.


    Dein Trainingsaufwand
    Hand aufs Herz, hast du dich wirklich ausgiebig auf dieses Turnier vorbereitet oder wäre noch mehr drinnen gewesen?
    Cooler Spruch von Bruce Lee "i don't fear the man who trained 10.000 kicks, but i fear the man who trained 10.000 times the same kick"


    Placingziele
    Du willst erster werden? Da bist du nicht alleine.
    Du willst Top 16 werden? Da bist du nicht alleine.
    Du willst aus Pools kommen? Da bist du nicht alleine.
    Merkst du was?


    Um zum Beispiel Top 16 zu werden, müssen viele andere vor dir eine Niederlage einstecken. Die tut auch denen weh, nicht nur dir.


    Dein Placingziel kannst du selbst am besten einschätzen. Ob du dich über- oder unterschätzt ist auch völlig dir überlassen.


    Tipp: setze dir anstelle des Placingziels doch folgendes Ziel: "Ich will mein Bestes geben"
    Wenn du in diesem Set wirklich dein Bestes gegeben hast, liegt es an deinem spielerischen Können.
    Wenn du in diesem Set NICHT dein Bestes gegeben hast, liegt es an deinem Mindset.


    vorausgesetzt:


    Ehrlichkeit zu dir selbst
    Hast du wiiiiiirklich sooooo lange für dieses Turnier trainiert, dass es tatsächlich total unnachvollziehbar ist, dass du Turnier Fehler gemacht hast?
    Hast du wiiiiiirklich ein Top 5 Placing erwartet, weil du so meeega gut bist?
    Hast du dir schon mal selbst verziehen und dir gesagt "ok, habe es eingesehen, werde es besser machen"?



    Auf was legst du Wert?
    Individueller kann es hier nicht werden :)
    Steht dir der Spaß im Vordergrund? Mir schon... Was ist Spaß? Na Definitionssache!
    Frage dich selbst was dir Spaß macht, dann frage dich warum dir das Spaß macht. Erst dann kennst du die Antwort und erlangst vielleicht eine neue Erkenntnis über dich.




    Das war der Auftakt zum eigentlichen Thema und wie Niederlagen weniger weh tun:







    Das Rotstiftdenken - ein weit verbreitetes Phänomen auf Turnieren



    A "bist du noch im Bracket?"


    B "*seufz, nein*"


    A "gegen wen bist du geflogen?"


    B "gegen xy, weil *insert john here, den eh keinen interessiert*"


    A "gegen den kann man ja schonmal verlieren / der ist aber auch gut!"


    Was fällt auf? Die Wahrscheinlichkeit, dass man nach Niederlagen zuerst fragt ist höher, als dass man zuerst fragt, wen man besiegt hat.


    Das sagt viel über die Grundhaltung der Spieler aus, weil das irgendwo eine Selbstoffenbarung ist: worauf man selbst Wert legt, wie man selbst zu sich steht und auch, was man von dem gegenüber hält.



    Wenn ihr einen Test in der Schule schreibt, welcher Stift wird verwendet? Der Rotstift.


    Ihr bekommt euren korrigierten Test zurück und euch wird überall angestrichen, was wir falsch gemacht haben.
    Bestimmt hat keiner von euch mal nen Test zurückbekommen, bei dem der Lehrer mit einem Grünstift angestrichen hat, was ihr alles toll gemacht habt ;)


    Daher folgendes - ein Apell an die Community:


    -reitet nicht auf den Niederlagen anderer herum
    -betrachtet auch das, was ihr gut gemacht habt
    -es hätte immer besser gehen können, wenn man nicht erster ist. Aber guess what, selbst als Erstplatzierter kann man sich über seine Performance aufregen.
    -es ist KEIN Trost, dem gegenüber zu sagen "gegen den kann man schon mal verlieren" oder "der ist aber auch gut", überlegt doch mal, was diese Aussagen suggerieren :D
    -verlieren ist keine Schande sondern ein schmerzhafter Lehrmeister
    -jeder fühlt sich als Verlierer allein, aber streng genommen sieht es auf Turnieren so aus: 1% Gewinner 99% Verlierer. Wer fühlt sich allein? Die Verlierer! :'D
    -lacht gemeinsam über Niederlagen und geht was essen, spielt Freeplay, habt weiterhin Spaß! (ihr wisst am besten, was euch Spaß macht)

  • Höchst gesund für die Community eine solche Ideologie hier festzuhalten. Ich denke schon eine längere Zeit ähnlich wie von @S!C hier beschrieben. Es hilft.
    Wenn man wirklich weiterkommen möchte, muss man sich damit halt früher oder später auseinandersetzen.

  • Tipp: setze dir anstelle des Placingziels doch folgendes Ziel: "Ich will mein Bestes geben"


    Wenn du in diesem Set wirklich dein Bestes gegeben hast, liegt es an deinem spielerischen Können.
    Wenn du in diesem Set NICHT dein Bestes gegeben hast, liegt es an deinem Mindset.

    Das hier muss nochmal hervorgehoben werden. Habe schon einigen Spielern diese Ideologie gepredigt, mir selbst hat es auch schon weitergeholfen, als ich drauf gekommen bin.

  • Wenn es einer Ansprache eines sehr guten Spielers bedarf...
    Naja, wenn es letzlich Wirkung zeigt, ist dahingehend ja nichts einzuwenden.


    Würde dennoch dem Gesagtem Deinerseits nicht zu 100% zustimmen.
    Manche Leute brauchen eben diesen roten Stift als Realitätscheck um die Fassung zu wahren und sich zu verbessern, als Beispiel.


    Eventuell senkt sich der Gehalt von Salz sowie Prolligkeit...

  • Solche Sachen muss man sich aber auch immer wieder vor Augen führen. Einmal gelesen und hingenommen reicht da nicht. Das Training des Midsets geht wohl einher mit dem eigentlichen Training des Skills... kann man schnell mal vernachlässigen, tu ich wohl auch.


    In dem Sinne: Danke für den Post! So was erneut (liest man ja nicht zum ersten Mal solche Sachen) zu lesen ist durchaus hilfreich und nützlich!

  • danke sigi!


    das hilft mir gerade in einer Phase, in der ich mein Mindset und meine Einstellung zu dem Spiel gerade refreshe und versuche, frischen Wind in mein Spiel zu bringen.
    Ich sehe gerade, dass viele meiner Gedanken auf größeren Turnieren eben in dieses Rotstiftdenken hineingefallen sind. Ich werde in Zukunft versuchen, das zu vermeiden :)

  • Zum Rotstiftdenken, es ist doch viel wichtiger zu sehen was man falsch gemacht hat weil man ja genau diese Punkte in erster Linie verbessern muss. Den was ich Gut oder Sehr Gut mache bedarf ja keine Vebesserung bzw ist es keine dringliche angelegenheit an der ich zuerst Hand an legen sollte oder hab ich da was falsch verstanden?

  • ich hätte da eine frage: Was ist wenn du zum Beispiel ein ranking match gegen einen schlechteren hast, was du eigentlich easy gewinnen kannst, doch vor der angst zu verlieren und plätze runter zu kommen schlechter spielst und dann sogar verlierst?


    Dieses Problem habe ich sehr oft in Sport. Passt ja noch gerade so zum Thema (ein bisschen ^^)

  • ich hätte da eine frage: Was ist wenn du zum Beispiel ein ranking match gegen einen schlechteren hast, was du eigentlich easy gewinnen kannst, doch vor der angst zu verlieren und plätze runter zu kommen schlechter spielst und dann sogar verlierst?


    Dieses Problem habe ich sehr oft in Sport. Passt ja noch gerade so zum Thema (ein bisschen ^^)

    Mindset ist im Eimer. "Du bist nicht von deinem Können überzeugt!" ist es bei mir meistens, wenn solche Gedanken auftreten, aber es liegt auf jeden Fall am Mindset an sich. Du musst wissen, was du kannst und nicht denken "Ich will gewinnen!" sondern wie @S!C schon sagte "Ich will mein Bestes geben!". So wurde ich in allem möglichen besser und es hilft extrem hier nochmal Alles vor Augen geführt zu bekommen.


    Ein Appell an die Community, was du sehr toll hervorgehoben hast, ist das mit dem Rotstift. Können wir nicht einfach mal hypen, statt immer wen runter zu machen, weil er gegen Person XY verloren hat? Wäre echt awesome.

  • Verstehe tbh nicht wirklich was an Rotstiftdenken, was ein ziemlich negativer Begriff ist, so schlimm ist, solange man nicht übertreibt und nach ner Niederlage super depri oder salty wird, weil man ja so scheiße sei. Klar sollte man auch auf das achten was man gut macht und worin man sich verbessert hat, aber mMn ist es mindestens genauso wichtig auf seine Fehler zu achten und sie mit dem metaphorischen Rotstift anzustreichen, um besser aus ihnen lernen zu können und sie nicht nocheinmal zu machen. Vieleicht empfinde ich das auch so, weil ich keine wirklich Probleme mit meinen Niederlagen habe und sie mich nicht besonders runterziehen o.Ä.
    Auf seine Fehler, Niederlagen und vor Allem die Gründe für diese zu schauen hilft beim besser Werden doch eher als
    der Stolz auf seine Glanzleistung oder bist du da anderer Meinung?


    Edit: Was mir beim Lesen von ein Paar anderen Antworten aufgefallen ist:
    Ich hab das ganze bisher nur auf nach einem Set Lose oder nachdem man rausgeflogen ist bezogen.
    Natürlich sollte man mitten im Set oder Turnier nicht von Selbstzweifel überfallen werden. Wenn man damit Probleme hat kann ich schon verstehen, dass man sich erstmal auf seine kleinen Erfolge konzentriert, im sich zu motivieren. ;)

  • @Snow Ich denke, dass das Mindset "Ich will gewinnen" nicht direkt schlecht ist. Es gibt 2 Arten wie man oder viele spielen. Entweder will man nicht verlieren oder man will gewinnen. Obwohl beides im Endeffekt aud das gleiche hinaus läuft gibt es dennoch einen großen Unterschied. Wenn man gewinnen will und von seinem Können überzeugt ist kann das positive Auswirkungen auf die eigene Leistung haben. Lässt man sich allerdings unter Druck setzem und versucht krampfhaft perfekt zu spielen und ärgert sich über seine Fehler obwohl man doch angeblich deutlich besser als der Gegner ist kann das zum Problem werden und eventuell zur Niederlage führen.

  • @SirJon Verstehe deinen Punkt und glaube auch, dass es viele Leute gibt denen es so geht, aber trotzdem ist das Mindset, gerade wenn man von sich selbst überzeugt ist, in Gefahr sofern man doch verliert. Kann es nur aus persönlicher Erfahrung berichten, aber da ich inzwischen gar keine Probleme mehr damit habe würde ich bei meiner alten These stehen bleiben.

  • Zum Rotstiftdenken, es ist doch viel wichtiger zu sehen was man falsch gemacht hat weil man ja genau diese Punkte in erster Linie verbessern muss. Den was ich Gut oder Sehr Gut mache bedarf ja keine Vebesserung bzw ist es keine dringliche angelegenheit an der ich zuerst Hand an legen sollte oder hab ich da was falsch verstanden?

    Ich denke nicht, dass @(S!C) das so gemeint hat. War mMn eher so gemeint, dass man sich nicht nur mit den Fehlern selbst fertigmachen sollte, sondern auch Positives miteinbeziehen sollte. Es klang für mich eher so als sollte man sich mit der Niederlage nicht zu sehr runterziehen. Fehler erkennen ist definitiv wichtig, aber es ging hier wohl eher darum, dass man sich selbst nicht als kompletten Scrub nach jeder Niederlage abstempeln sollte, weil das einen selbst auf Dauer eher fertigmachen kann als dass es wirklich produktiv ist. Mit sowas kann man sich schon gelegentlich das komplette Mindset zerstören. Das bedeutet nicht, dass man Niederlagen mit selbsterfundenen 1A-Johns abhaken sollte, sondern dass man seine Performance sowohl aus positivem als auch aus negativem Blickwinkel betrachten sollte.
    Generell macht es Sinn, die eigene Performance zu rekapitulieren und festzuhalten, was geklappt hat und was nicht geklappt hat. Wenn man das etwas distanzierter betrachtet und dabei gute und schlechte Sachen festhält, dann geht einem die Niederlage emotional nicht so nahe.

  • Super Beitrag.
    Ich handhabe das auch so, dass ich mich nicht bei jeder Niederlage schlecht mache.
    Setze mir auch feste, nicht zu hochgesteckte Ziele, die ich erstmal erreichen will usw.
    z.B wenn ich auf der Agon aus den Pools komme, und dann direkt verliere, würde ich mich auf keinenfall aufregen, da mein Ziel ist erstmal die Pools zu überstehen :)


    Ich glaube viele Smasher wären besser wenn sie Ihr Mindeset in den Griff bekommen würden.


    Salzig sein kann ich bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, aber man sollte es nicht übertreiben. (Shoutouts an @Hirschulat)
    Der Salz kann einem auch im weg stehen ;) Wenn man nicht die Fähigkeit beherrscht selbstreflektierend zu sein, hat man ein Problem.

  • Ich sammle solche Beiträge hier auf SL förmlich. ^^ Echt inspirierend und motivierend. Was Ähnliches hatte ich mal in einer Zeitschrift gelesen, in nem Beitrag zu Schule und Beruf. Da hies es auch, wenn man man gut in Englisch ist aber schlecht in Mathe, wo bekommen man Nachhilfe? In Mathe, klar. Anstatt zu sagen in Englisch bringen wir dich auf eine 1, wird man eher an den Schwächen arbeiten als die Stärken auszubauen.
    Auf Smash bezogen sollte man sich auf seine Stärken konzentrieren. Den positiven Dingen mehr Beachtung schenken und 5 auch mal gerade sein lassen.


    Btw. mach ich die genannten Fehler auch. Werd nun mehr drauf achten.

  • Ich finde, das das Mind-Set sehr wichtig und Interessant ist, sowohl meines, als auch das von anderen Spielern.
    Dein Text ist sehr Motivierend und sollte vielen, gerade Trasktalkern mal in den Kopf kommen, auch wenn ich nachvollziehen kann, warum Sie Trashtalken :)


    Aber was macht man, wenn man weiß das dieses Denken so besser wäre und trotzdem nicht so handelt?
    Ist mir schon passiert, (selbes Szenario wie du es beschrieben hast) das ich jemanden fragte wieso Er verloren hat, um eventuell eine gemeinsame Lösung für das nächste mal zu finden und, obwohl ich immer viel Respekt vor der Person hatte und Sie für jemanden hielt mit einem äußerst starken Mind-Set aufgrund Vergangenheits-Erfahrung (kenne die Person seit 3-4 Jahren?), bekam ich eine "pampige" Antwort nach der anderen.


    Wie kommt sowas dann zustande? Die Person ist sich bewusst das Sie ein gutes Mind-Set braucht, aber will es dann nicht?
    Kann ICH dann helfen oder bleibt es bei "Lass Ihn in Ruhe, selbst Schuld"?


    #askSiggi